01. August 2022
nach dem jüdischen Kalender der
04. Elul 5782

Der Reformjudengemeinschaft Sachsen-Anhalts

Notabene

für Jui 2022 / 5782

 

Die Reformjudengemeinschaft Sachsen-Anhalts betet mit allen guten Menschen unablässig um den Segen des Friedens

 

Die monatliche Bibel–Rundschau

Das Buch Exodus, Kapitel 2

 

Ein Mann aus einer levitischen Familie ging hin und nahm eine Frau aus dem gleichen Stamm. Sie wurde schwanger und gebar einen Sohn.

Weil sie sah, dass es ein schönes Kind war, verbarg sie es drei Monate lang. Als sie es nicht mehr verborgen halten konnte, nahm sie ein Binsenkästchen, dichtete es mit Pech und Teer ab, legte den Knaben hinein und

setzte ihn am Nilufer im Schilf aus.

Seine Schwester blieb in der Nähe stehen, um zu sehen, was mit ihm geschehen würde.

Die Tochter des Pharao kam herab, um im Nil zu baden. Ihre Dienerinnen gingen unterdessen am Nilufer auf und ab. Auf einmal sah sie im Schilf das Kästchen und ließ es durch ihre Magd holen. Als sie es öffnete und hineinsah, lag ein weinendes Kind darin. Sie bekam Mitleid mit ihm und sie sagte: Das ist ein Hebräerkind.

Da sagte seine Schwester zur Tochter des Pharao: Soll ich zu den Hebräerinnen gehen und dir eine Amme rufen, damit sie dir das Kind stillt? Die Tochter des Pharao antwortete ihr: Ja, geh! Das Mädchen ging und rief die Mutter des Knaben herbei. Die Tochter des Pharao sagte zu ihr: Nimm das Kind mit und still es mir! Ich werde dich dafür entlohnen. Die Frau nahm das Kind zu sich und stillte es. Als der Knabe größer geworden war, brachte sie ihn der Tochter des Pharao. Diese nahm ihn als Sohn an, nannte ihn Mose und sagte: Ich habe ihn aus dem Wasser gezogen. Die Jahre vergingen und Mose wuchs heran. Eines Tages ging er zu seinen Brüdern hinaus und schaute ihnen bei der Fronarbeit zu. Da sah er, wie ein Ägypter einen Hebräer schlug, einen seiner Stammesbrüder. Mose sah sich nach allen Seiten um, und als er sah, dass sonst niemand da war, erschlug er den Ägypter und verscharrte ihn im Sand. Als er am nächsten Tag wieder hinausging, sah er zwei Hebräer miteinander streiten. Er sagte zu dem, der im Unrecht war: Warum schlägst du deinen Stammesgenossen? Der Mann erwiderte: Wer hat dich zum Aufseher und Schiedsrichter über uns bestellt? Meinst du, du könntest mich umbringen, wie du den Ägypter umgebracht hast? Da bekam Mose Angst und sagte:

Die Sache ist also bekannt geworden.

Mose in Midian

Der Pharao hörte von diesem Vorfall und wollte Mose töten; Mose aber entkam ihm. Er wollte in Midian bleiben und setzte sich an einen Brunnen. Der Priester von Midian hatte sieben Töchter. Sie kamen zum Wasserschöpfen und wollten die Tröge füllen, um die Schafe und Ziegen ihres Vaters zu tränken. Doch die Hirten kamen und wollten sie verdrängen. Da stand Mose auf, kam ihnen zu Hilfe und tränkte ihre Schafe und Ziegen. Als sie zu ihrem Vater Reguël zurückkehrten, fragte er: Warum seid ihr heute so schnell wieder da? Sie erzählten:

Ein Ägypter hat uns gegen die Hirten verteidigt; er hat uns sogar Wasser geschöpft und das Vieh getränkt. Da fragte Reguël seine Töchter: Wo ist er? Warum habt ihr ihn dort gelassen? Holt ihn und ladet ihn zum Essen ein! Mose entschloss sich, bei dem Mann zu bleiben, und dieser gab seine Tochter Zippora Mose zur Frau. Als sie einen Sohn gebar, nannte er ihn Gerschom (Ödgast) und sagte:

Gast bin ich in fremdem Land.

Die Berufung des Mose

Nach vielen Jahren starb der König von Ägypten. Die Israeliten stöhnten noch unter der Sklavenarbeit; sie klagten und ihr Hilferuf stieg aus ihrem Sklavendasein

zu GOTT empor.

GOTT hörte ihr Stöhnen und GOTT gedachte seines Bundes mit Abraham, Isaak und Jakob. GOTT blickte auf die Söhne Israels

und gab sich ihnen zu erkennen.

 

Folgendes gab es schon zu biblischen Zeiten. Es ist also keine Erfindung der Verbandsjuden die Staatsleistungen unterschlagen, während es den Armen am Nötigsten fehlt. Der Unterschied zur Gegenwart besteht darin, dass die damaligen führenden Juden Erbarmen hatten und mit dem Unrecht aufräumten…

 

Das Buch Nehemia, Kapitel 5

Unfriede in den eigenen Reihen

Die Männer des einfachen Volkes und ihre Frauen erhoben aber laute Klage gegen ihre jüdischen Stammesbrüder. Die einen sagten: Wir müssen unsere Söhne und Töchter verpfänden, um Getreide zu bekommen, damit wir zu essen haben und leben können. Andere sagten: Wir müssen unsere Felder, Weinberge und Häuser verpfänden, um in der Hungerzeit Getreide zu bekommen. Wieder andere sagten: Auf unsere Felder und Weinberge mussten wir Geld aufnehmen für die Steuern des Königs. Wir sind doch vom selben Fleisch wie unsere Stammesbrüder; unsere Kinder sind ihren Kindern gleich und doch müssen wir unsere Söhne und Töchter zu Sklaven erniedrigen. Einige von unseren Töchtern sind schon erniedrigt worden. Wir sind machtlos und unsere Felder und Weinberge gehören anderen. Als ich ihre Klage und diese Worte hörte, wurde ich sehr zornig. Ich überlegte mir die Sache; dann stellte ich die Vornehmen und die Beamten zur Rede und sagte zu ihnen: Die eigenen Stammesbrüder bedrückt ihr mit Schuldforderungen. Und ich berief ihretwegen eine große Versammlung ein und sagte zu ihnen: Wir haben von unseren jüdischen Stammesbrüdern, die an andere Völker verkauft worden waren, so viele wie möglich losgekauft. Ihr aber, ihr wollt eure eigenen Stammesbrüder verkaufen, damit sie dann wieder an uns verkauft werden. Da schwiegen sie und wussten nichts zu erwidern. Darauf sagte ich: Was ihr tut, ist nicht recht. Wollt ihr nicht das Gebot unseres Gottes gewissenhaft einhalten, um so dem Hohn der uns feindlichen Völker zu entgehen? Auch ich und meine Brüder und meine Leute haben Stammesbrüdern Geld und Getreide geliehen. Erlassen wir ihnen doch diese Schuldforderungen. Gebt ihnen unverzüglich ihre Äcker und Weinberge, ihre Ölgärten und Häuser zurück und erlasst ihnen die Schuld an Geld und Getreide, Wein und Öl, die sie bei euch haben. Da erklärten sie: Wir wollen alles zurückgeben und nichts mehr von ihnen fordern. Wir wollen tun, was du gesagt hast. Darauf rief ich die Priester herbei und ließ die Leute schwören, dass sie ihre Zusage halten würden. Dann schüttelte ich den Bausch meines Gewandes aus und sagte: Genauso schüttle Gott jeden, der diese Zusage nicht hält, aus seinem Haus und seinem Eigentum; er sei ebenso ausgeschüttelt und leer. Die ganze Versammlung antwortete: Amen, so sei es!, und pries den Herrn und das Volk erfüllte die Zusage.

Nehemia als Statthalter

Außerdem verzichtete ich mit meinen Brüdern auf den Unterhalt, den ich als Statthalter hätte beanspruchen können, und zwar von dem Tag an, an dem mich der König zum Statthalter in Juda bestellt hatte, vom zwanzigsten bis zum zweiunddreißigsten Jahr des Artaxerxes, also zwölf Jahre lang. Die Statthalter, die mir vorangingen, hatten das Volk schwer belastet; sie hatten von ihm täglich vierzig Silberschekel für ihren Unterhalt erhoben; auch ihre Leute hatten das Volk unterdrückt. Ich hingegen tat das aus Gottesfurcht nicht. Auch beim Bau der Mauer habe ich selbst Hand angelegt. Wir haben kein Feld gekauft. Alle meine Leute halfen dort gemeinsam bei der Bauarbeit. An meinem Tisch speisten die führenden Juden und die Beamten, hundertfünfzig an der Zahl, sowie die, die von den Völkern ringsumher zu uns kamen. Täglich wurden ein Ochse, sechs auserlesene Schafe und auch Geflügel zubereitet und all das ging auf meine Kosten. Dazu kam alle zehn Tage eine Menge von verschiedenen Weinen. Trotzdem habe ich den Unterhalt eines Statthalters nicht eingefordert, denn der Frondienst lag schon schwer genug auf diesem Volk.

Denk daran, mein GOTT,

und lass mir all das zugute kommen,

was ich für dieses Volk getan habe.

 

Zur TABULA PUBLICA:

 

bis 31. August 2022 / 5782

 

Synagogengemeinde zu Halle
Hansastraße 7a - 06118 Halle
Telefon 0345-5220272 

 

Schalom,

sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde,

liebe Mitglieder,

aufgrund des schweren Krankheitsverlaufs unserer Hauptsponsorin konnten wir in unserer Gebetsstätte keine Versammlung abhalten. Sie wohnt ja in diesem Haus. So beteten wir für uns daheim. Da sich die Krankheit extrem verschlimmerte, wird es noch dauern, bis wir wieder gemeinsam Ma tovu anstimmen können.

So bete jeder für sich weiterhin daheim, bis wir wieder alle zusammen rufen können.

Abteilung zum

Komplott

Wird im nächsten Monat fortgesetzt

 

Cartoons,

(Aus der Mottenkiste und

- bewahre - nicht zur Erheiterung, dazu

Geschichtchen  und Märchen

Für Singles und Pärchen

 

Man gedenke: Poetis mentiri licet.)

Wie immer Nr. 1:

 

 

Aus den Jahreszeiten, noch ist er bei uns:

 Der Sommer

 

Der Geschwister Sommer sind:

Der eine zeigt sich warm und lind.

Der andre wieder heiß und schwül.

Im dritten Sommer regnets viel.

Manche Sommer nur bewegen

grauer Himmel, ohne Regen.

So dass Natur verwelkend fragt

Ob sich der Spätherbst vorgewagt.

 

Gleichwohl:

 

Im Sommerlauf verblasst  noch nicht

Des Frühlings grünes, buntes Licht.

Er atmet auch dem Herbst entgegen

mit  seinen ersten Früchtesegen.

 

Der Glanz der andren Jahreszeiten

Verweht im  Fest der Sommerfreuden.

So applaudiert  in Heiterkeit

Man ihn als schönste Jahreszeit.

 

 

Und ab heute:

Geschichtchen und Märchen

Für Singles und Pärchen

 

 Veldskoene

קארל זומר

 

This report was inspired by a tru story.

Some names, places annd dates have been changed

 

Dieser Bericht wurde von einer wahren Geschichte inspiriert.

Einige Namen, Orte und Daten wurden geändert.

 

Hierdie berig is deur 'n ware verhaal geïnspireer.

Sommige name, liggings en datums is verander.

 

דוח זה נוצר בהשראת סיפור אמיתי.

כמה שמות, מיקומים ותאריכים שונו

 

דער באַריכט איז ינספּייערד דורך אַ אמת געשיכטע.

עטלעכע נעמען, ערטער און דאַטעס האָבן שוין געביטן

(der barikht iz inspeyerd durkh a ams geshikhte.

etlekhe nemen, erter aun dates hobn shoyn gebitn)

 

Dit rapport is geïnspireerd op een waargebeurd verhaal.

Sommige namen, locaties en data zijn gewijzigd.

 

Ce reportage est inspiré d'une histoire vraie.

Certains noms, lieux et dates ont été modifiés.

 

Este reportaje está inspirado en una historia real.

Se han cambiado algunos nombres, ubicaciones y fechas.

 

На створення цього звіту надихнула реальна історія.

Деякі назви, місця та дати були змінені

 

Этот отчет был вдохновлен реальной историей.

Некоторые имена, места и даты изменены.

 

Salomon Herbstlaub, sel. A.   יכרון מבורך, als er schon recht betagt war,  wollte es nach einer Herzattacke künftig langsamer angehen lassen. So entschied er sich, statt dem täglichen Stress zu unterliegen, zwar unbeschwert, aber doch aktiv zu reisen. Dieses Mal nach Johannesburg / Südafrika, via Frankfurt / Main. Ab Airport Johannisburg startete er mit einem Leih-Wohnmobil, an Südafrikas Ostküste, also am Indischen Ozean entlang.  So, gemächlich reisend, konnte er Land und Leute erkunden. Es war sein erster Besuch im damaligen Noch-Apartheid–Land. Nahe der Steilküste fand er einen Campingplatz, der ihm zum Verweilen zusagte.  In den Fels gehauene Treppen führten von dort hinab zum Strand.  Fliegende Händler boten Meeresfrüchte wohlfeil an.

 

Ein  einheimischer Halbwüchsiger sprach S. Herbstlaub devot an, ob er für ihn einen Job habe. Er wollte etwas verdienen, um mit diesem Geld Lebensmitteln zu kaufen. S. Herbstlaub hatte für ihn keinen Job, aber der Junge tat ihm leid und deshalb bat er den Burschen, aus den nahebei stehenden Bambusbüschen eine Rute rauszuschneiden und sie zu einer Art Angel herzurichten. Das geschah im Handumdrehen und S. Herbstlaub gab dem Jungen dafür ein ordentliches Trinkgeld. Unbeabsichtigt schuf er sich damit einen Begleiter, der ihm als eine Art freiwilliger Diener zur Stelle war.

 

Früh morgens brachte Sebulon (so lautete der Vorname des Burschen; zu dieser Zeit erhielten alle Eingeborenen alttestamentarische Vornamen, insbesondere dann, wenn sie zum Christentum konvertierten; mancher von denen hatte mehrere biblische Vornamen, weil er nacheiander von verschiedenen, in gegenseitiger Konkurrenz wirkenden,  christlichen Sekten getauft worden war; denn jede dieser Gemeinschaft überreichte anlässlich der Taufe dem neuen Christen ein schönes Geldgeschenk),  S. Herbstlaub Milch und Brötchen und erhielt dafür von S. Herbstlaub ein Bakschisch.

 Herbstlaub wollte einen Abstecher zu Land und Leuten wagen. Er fragte Sebulon deswegen aus. Sebulon gab Auskunft, meinte aber, dass das Schuhwerk, das S. Herbstlaub trug, für die südafrikanische Steppe oder gar Wüste ungeeignet ist. S. Herbstlaub sollte entweder barfuß laufen oder sich die wildledernen Knöchelschuhe mit Kreppsohlen kaufen, wie sie die Buren, die weißen Südafrikaner, tragen. Diese Schuhe schützen davor, dass Dornen, Steinchen oder Sand eindringen und die Füße verletzen. Zudem sind sie bequem und es läuft sich in ihnen wie auf einem Teppichrasen.

 Herbstlaub machte sich mit Sebulon auf, um im nahebei liegenden Port Elizabeth ´Veldskoene´, also Feldschuhe oder wie andere behaupten, Fellschuhe, zu kaufen. In keinem der angelaufenen vornehmen Geschäfte fand sich Passendes. Es wurde inzwischen nachmittags. So frug S. Herbstlaub schließlich Sebulon, wo er wohl sonst noch fündig werden konnte. Sebulon führte ihn zu den diversen Krämerläden inmitten der verwinkelten Altstadt. Dann gab Sebulon S. Herbstlaub zu verstehen, dass er für seine daheim gebliebenen Familienangehörigen etwas zum Essen kaufen wolle, die warteten doch schon darauf. S. Herbstlaub gab ihm ein Geldscheinchen und ließ Sebulon laufen.

 Herbstlaub betrat ein Geschäft. Beim Öffnen der Ladentür erschreckte ihn ein gellender Klingelton. Drinnen fand sich ein schmaler Gang zwischen raumhohen Regalen, in denen verblichene Artikel, die offensichtlich niemand benötigte, verstaubten. Hier war die Luft stickig und überhitzt. Am Ende des etwa sieben Meter langen Flurs nahm S. Herbstlaub, hinter einer Art Tresen, der von Ramschprodukten wie zugemüllt wirkte, zwei bärtige Gestalten wahr. Sie trugen zu schwarzer Oberbegleitung Kipot, Käppis, wie sie orthodoxe Juden alltäglich zu tragen pflegen. S. Herbstlaub fragte nach Veldskoene. Solche könne man bei ihnen kaufen. Einer der Kipaträger, suchte sogleich in den Regalen danach. Der andere, der eine dunkle Brille trug, erkundigte sich, wo denn S. Herbstlaub herkommt. Als er erfuhr, dass Düsseldorf in Deutschland die Heimat von S. Herbstlaub war, lächelte er freundlich und gab in einem jiddisch-deutschen Gemisch zu verstehen, dass noch nie Deutsche zu seinem Geschäft gefunden hätten. Es läge wohl auch zu weit weg von der belebten Innenstadt.  Der die Veldskoene suchende Krämer-Kollege horchte dabei mit Er rief, hier finde er nichts, er wolle im Lager nachsuchen. Bald erschien er wieder und meldete seinem Partner, dass keine Veldskoene Größe 8,5 mehr vorrätig sind. Er wollte sogleich zu einem befreundeten Händler gehen, wo er das Gewünschte finden und mitbringen werde und entfernte sich. Wieder schrillte die Türglocke entsetzlich auf, als wollte sie vor Schrecklichem warnen.

 

 Die Zeit blieb schier stehen.  Das Warten  wurde unerträglich. Für S. Herbstlaub fand sich keine Sitzgelegenheit. Der gesundheitlich instabile S. Herbstlaub litt unter der stehenden Hitze im Laden. Er  harrte weitere etwa zehn Minuten aus, dann wurde es ihm zu viel.

 Herbstlaub wollte dem Händler gerade erklären, dass er seine Medizin einzunehmen habe, daher nicht mehr länger bleiben könne, als die Türglocke wieder aufkreischte. Der Händler-Kollege kam zurück. Ihn begleiteten fünf schwarz gekleidete, Kipa tragende Männer. Beide Händler schlichen davon, als  die Hinzugekommenen sich auf S. Herbstlaub stürzten, ihn  knebelten und fesselten. Den sich heftig Wehrenden S. Herbstlaub zerrten sie in das dunkle Nebenzimmer. Hier drückten sie S. Herbstlaub auf einen Hocker. S. Herbstlaub schnappte nach Luft. Einer der Männer erklärte dem Gefesselten nun, dass Mitglieder ihrer Familien, damals in Konzentrationslagern der Deutschen, ermordet wurden. Es handelte sich um unschuldige Personen, Kinder bis Greise. Nun endlich kämen sie dazu, Vergeltung an einem Deutschen zu nehmen. עין לעין -Auge um Auge-. Sie würden ihn, stellvertretend für alle anderen Deutschen, in dieser Kammer, bei Brot und Wasser lebenslänglich gefesselt  gefangen halten.

 

Tatsächlich wollten Sie S. Herbstlaub aber nur einen gewaltigen Schreck einjagen und ihn anderentags wieder laufen lassen. Dies  quasi stellvertretend als Denkzettel für die an ihren Familien  verbrochen die Grausamkeiten..

 

In Todesangst versuchte  S. Herbstlaub zu schreien und sich zu befreien. Es kam dabei nur ein Röcheln heraus. Die engen Hand- und Fuß-Fesseln gaben nicht nach. Je mehr S. Herbstlaub  sich anstrengte und auffegte, umso höher stieg sein Blutdruck. Den Kidnappern konnte er nicht zu verstehen geben, dass er als schwer herzkranker Diabetiker lebenswichtig auf die pünktliche Einnahme seiner  Medizinration  angewiesen war.

 

Die Männer verriegelten die Tür, als sie S. Herbstlaub  im dunklen Raum seinem Geschick überließen.

 

Wegen der Geiselnahme S. Herbstlaubs erwarteten sie keine Konsequenzen; denn dann stünden ihre Aussagen gegen die von S. Herbstlaub, einem Fremden.

 

Am folgenden Morgen betraten die beiden Händler den einem Verließ gleichen Raum. Sie wollten S. Herbstlaub nun entlassen.

 

Wie erschraken die beiden Täter, als Sie nur noch den leblosen Körper des S. Herbstlaub erblickten.

 Herbstlaub war in seiner schrecklichen Lage einem Herzinfarkt erlegen. Schnell riefen die Händler ihre Mittäter. Sie berieten, was zu tun sei. Diesen unglücksschweren Ausgang hatten sie weder bedacht noch gar gewollt.

 

Sie beschlossen,  nach der Abenddämmerung den leblosen Körper S. Herbstlaubs in einen  Karton zu bergen, um ihn, so ohne Verdacht zu erregen,  irgendwohin weg zu schaffen und abzulegen. Als sie die Handfessel lösten, streiften sich die Hemdsärmel des Leichnam S. Herbstlaubs etwas zurück. Die racheübenden, inzwischen ihre Tat tief bereuenden und verstörten Mörder, entdeckten eintätowierte Ziffern am linken inneren Unterarm S. Herbstlaubs.

 

Die Tätowierungszahl aus dem Konzentrationslager Auschwitz.

 Herbstlaub erhielt auf dem jüdischen Friedhof eine anonym gehaltene Ruhestätte an der Friedhofsmauer, wo Unbekannte und Selbstmörder bestattet werden.

 

Allein dem Allmächtigen steht es zu,

Rache und Vergeltung einzufordern.

אָמֵן